7. Konkretionen für die Gemeindearbeit
7.1 Die Leitlinien
Mit ist klar geworden, dass es zum Globalisierungsprozess keine echte
Alternativen gibt.
Ich bin kein Fachmann, weder Politologe, noch Wirtschaftsmann, noch
Zukunftsforscher. Ich bin aber als Demokrat bereit zu hören und zu lernen,
in der Weltgemeinschaft.
Gehört habe ich:
Die Kirche in Deutschland hat eine wichtige Aufgabe, für die Armen, die
keine Stimme haben, laut zu schreien.
Die Kirche in Deutschland hat die wichtige Aufgabe, mit den Mächtigen dieser
Welt in einen Dialog einzutreten und zu verhandeln.
Die Kirche in Deutschland hat die wichtige Aufgabe, Initiativen zu
unterstützen, die ein mehr an Gerechtigkeit versprechen.
Die Kirche in Deutschland hat die wichtige Aufgabe, Erkanntes in eigene
Strukturen einzuarbeiten und selber Vorbild zu werden.
Ich bin immer wieder überrascht, dass wir als Kirchen schon erstaunlich
viele Antworten auf die Herausforderungen im Laufe der Jahre gefunden haben!
Wir sind auf dem richtigen Weg mit
- Brot für die Welt, das Projekte und die advocacy-Arbeit fördert
- den Missionswerken, die die weltweite kirchliche Partnerschaft einüben
- mit dem Dienst für Mission, Ökumene und Entwicklung (DIMOE), der vor Ort
auch Mitarbeiter aus Partnerkirchen für die Erwachsenenbildung einsetzt
- Transfair, das zeichenhaft genossenschaftliche Projekte unterstützt
- Oikokredit, das zeichenhaft Geld anlegen und teilen zeigt
- Erlassjahrkampagne, die ganz neu die Schuldverstrickung und Komplexivität
von Strukturen offen gelegt hat
- Umweltinitiativen, die lehren mit Ressourcen nachhaltig umzugehen
- Akademien, denen auch Industriepfarrämter angegliedert sind, die
eigentlich die Plattform sein müssten für den globalen Dialog
- den unzähligen freien Werken, die auf ihre Weise die Themen nahe bringen.
Was vor Ort fehlt, ist oft der globale Blick und der bewusst geführte,
öffentliche Dialog.
7.2 Die Umsetzung
An begrenzten Einzelaktionen arbeitet man bei uns im Ort gerne mit.
Eine Ausstellung zum Thema „Erlassjahr 2000“ schaut man sich gerne an.
Für Brot für die Welt öffnet man den Geldbeutel.
Aber zur Zeit sind Eine-Welt-Themen als Erwachsenbildungsthemen out.
Woran es liegt, kann ich nur erahnen.
Sind uns die Medien in der Präsentation nicht viele Schritte voraus?
Weiß man im Grunde nicht schon unheimlich viel über die Verquickungen?
Sind wir im Grunde nicht schon übersättigt mit bedrückenden Themen - und
wollen uns keine neuen aufhalsen?
Erwachsenenbildung mit diesen Themen scheint mir heutzutage eine größere
Herausforderung zu sein als noch vor Jahren!
In unserem Ort ist die Einbindung von den oben genannten Initiativen mehr
oder weniger vorhanden.
Wichtig ist mir, Strukturen zu schaffen, dass durch jährliche Wieder-Holung
die Themenbereiche nicht „verfallen“.
Aufgaben für die kommende Zeit:
Auf kommunaler Ebene:
Gespräch mit Bürgermeister über die Umsetzung der Agenda 21 in Eningen und
Anregung, in den Prozess einzusteigen.
Gespräche mit den Vorsitzenden der Fraktionen im Gemeinderat über die
Agenda. In der Nachbarschaft von Eningen nehmen schon einige Orte teil.
(Näheres im Internet)
Auf landeskirchlicher Ebene:
Gespräch mit dem Ev. Missionswerk in Südwestdeutschland über Problematik in
Indonesien nachholen.
Gespräch mit indonesischer Pfarrerin im Kirchenbezirk Reutlingen.
Gespräch mit Brot für die Welt - Referenten nachholen.
Auf Kirchengemeinde-Ebene:
Unterstützung und Stärkung der vorhandenen Initiativen!
Neu wäre für uns ein „Tag der Schöpfung“, wie ihn die Landeskirche empfohlen
hat.
Neu wäre für uns ein „Tag der weltweiten Ökumene“ in Zusammenarbeit mit DIMOE.
Weiterer Einsatz gegen die Sonntagsarbeit, die ja auch durch die
Globalisierung ins Gespräch gekommen ist.
Die Wirtschaftsethik muss „sich jeder Entwicklung zur totalen
Kommerzialisierung aller gesellschaftlichen Bereiche widersetzen. Die
Diskussionen um die Arbeitsruhe am Sonntag und um die Abschaffung
kirchlicher Feiertage (Bußtag) haben exemplarische Bedeutung“, stellt Günter
Meckenstock in seiner „Wirtschaftsethik“ fest. (S. 17f)
Protest gegen Börsenöffnungen an kirchlichen Feiertagen.
Knüpfen von Kontakten zu Menschen anderer Religionen (Islam-Gespräche)
Aufbau einer persönlichen Partnerschaft zur Dritten Welt. (in Absprache)
Als Vorbereitung könnte eine Kirchengemeinderatsfreizeit im EMS in Stuttgart
dienen.
Ökumenische Gesprächsreihe 2001 zum Thema Globalisierung
Aufgaben im Gottesdienst:
1 x im Monat soll ein weltweites - kirchliches Problem in Gestalt eines
Kurzberichtes und Fürbittengebet im Gottesdienst vorgetragen werden. Texte
gibt es über Tageszeitungen, Missionswerke, BfW.
Im Internet sollen diese Kurzberichte und Fürbittengebete auf der
Kirchengemeinde-Homepage veröffentlicht werden. Andere Gemeinden sollen
animiert werden, solche Gebetsanliegen aufzunehmen.
Anregung: Ob nicht EMS oder ÖRK diese Informationsbeschaffungs-Aufgabe
übernehmen könnte?
Persönliche Aufgaben:
Intensivierung der Öffentlichkeitsarbeit auf diesem Gebiet.
Weitere Ideen:
Zusammenarbeit mit der NGO-Plattform www.chancespark.net.
Diese Plattform unterstützen und als solche nutzen. Informationen
weitergeben!
In diesem NOG-Verzeichnis sind die Katholiken mit Misereor vertreten.
Von den Protestanten fehlt wieder jede Spur. Weder Brot für die Welt noch
eines der kirchlichen Missionswerke ist im Verzeichnis. Nachhaken!
Könnte das Chancen-Projekt nicht auch eine schnelle electronic-Protestbasis
werden? Anregung weitergeben!
Informationsarbeit für Oikokredit:
Es soll eine Ehrensache werden,
dass jede Familie 1 Anteil von Oikokredit kauft.
Oder: Jedes frischvermählte Ehepaar kauft 1 Anteil für Oikokredit. (Statt
der uralten Sitte, auf der Hochzeitswiese einen Apfelbaum zu pflanzen)
Anregung beim ÖRK zum Aufbau eines theologischen Forums auf den
Internetseiten des ÖRK.
Das Forum sollte auch genutzt werden für weltweite Bibelauslegung im
Internet
Auf der ÖRK-Website könnte eine Anschlagtafel für Nachrichten (vgl. adidas)
angebracht werden. Von hier aus wäre es leicht, e-Mail Protest - Aktionen zu
initiieren.
7.3 Ausblick
Die Weltwirtschaft ist ein äußerst kompliziertes Gebilde, dass trotz aller
Komplexität von wenigen Variablen gesteuert wird: Menschen - Märkte -
Wettbewerb - Profit - Technik - der Wille zum Überleben.
In manchen Vorlesungen wurde thematisiert, welche Symbolik der
Globalisierung eigen ist. Eine Frage, die auch für Theologen interessant
ist.
Übereinstimmend wurde
der blaue Planet Erde genannt, wie wir ihn von Satellitenbildern her kennen.
Dazu kommen die Adress-Buchstaben des Internets „www“, verbunden mit einem
Mikrochip-Prozessor.
Ich habe daraufhin in den Vorlesungen und Seminaren statt Strichmännle
unzählige Symbolversuche auf mein Papier gekritzelt.
Bei diesem Ergebnis bin ich hängengeblieben:
Die Symbolik ist
inhaltlich noch offen. Doch der Wille ist sichtbar:
Es gibt kein Zurück zur Kleinstaaterei.
Es gibt kein Zurück zu einem selbst gewählten Leben hinter Mauern auch
ideologischer Art.
Es gibt kein Zurück, wo man den Nachbarn ausblendet.
Der Wille ist da, das Leben auf der Erde zu erhalten und zu schützen.
Der Wille ist da, dazu die modernsten Möglichkeiten in den Dienst am
Menschen zu stellen.
Der Kreis symbolisiert die Erde. Die Buchstaben www stehen für das Internet
und die Kommunikationsmöglichkeiten. Unter den Buchstaben steht jeweils ein
Microchip als Zeichen für die neue Technik.
In den
Wirtschaftstheorien wurde immer wieder von der „invisible hand“ gesprochen,
die das Geschehen der Märkte auf wunderbarer Weise regelt.
Als Theologen haben wir ein anderes Symbol im Hinterkopf, das sehr
verbreitet ist. Es ist die Hand Gottes, die die kleine Welt trägt.
He’s got the whole world in
his hands.
Die beiden Bögen unter der Erde
sollen die sorgende Hand symbolisieren. Ohne sie kommen wir nicht aus.
Zu meinem Leidwesen
konnte ich in dieser Arbeit alles nur oberflächlich angehen.
Die Semesterferien, die normale Studenten haben, fehlte zum Schreiben einer
gründlichen Hausarbeit.
Ich hätte gerne noch die globalen Zahlen verglichen.
Ich hätte mich gerne in die verschiedenen Wirtschaftsethiken vertieft.
Ich gerne noch weitere Fachtheologen und Wirtschaftswissenschaftler
kontaktiert.
Meine Fragen wurden vorerst beantwortet, wenn alles auch ein wenig anders
gelaufen ist, als ich dachte.
Vor allem gab es immer wieder neue Ideen, Entdeckungen im Internet und in
den Bibliotheken.
Viele Themenkomplexe,
die ich gerne weiter in die Arbeit integriert hätte, mussten außen vor
bleiben:
Spielt die Diskussion um das Verhältnis von Globalisierung und
Regionalisierung für die Kirchen eine Rolle?
Wie können sich die Kirchen in den Prozess der Weltvergesellschaftung bzw.
Weltvergemeinschaftung einbringen?
Auch die ökologischen Fragen mit einer nachhaltigen Wirtschaftsweise hätten
mich brennend interessiert. Vor allem: In welcher Weise können Kirchen unter
den gegebenen Umständen Vorbildfunktion übernehmen?