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Toralernwoche 2005
 

Was verbindet Christen und Juden?

Die Logos und Zeichen der verschiedenen christlich - jüdischen Arbeitskreise gewichten verschiedenartige Aspekte. Beispielhaft werden einige Zeichen auf ihre innere und äußere Botschaft hin untersucht.

Der östereichische "Koordinierungsausschuss für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit" verzichtet auf eine bildliche Darstellung des Verbindenden, sicherlich mit guten Gründen.
Wie wollten Juden und Christen, die gerade mal eine Generation lang im Gespräch sind, auch ein gemeinsames Logo finden? Die Kombination der Buchstaben deutet an, dass Juden und Christen
die Z-usammenarbeit tragen - was sicherlich mit mancher Mühe verbunden ist.
http://www.christenundjuden.org/

Deutscher KoordinierungsRat (DKR), der eine Plattform für "Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit" ist, kombiniert Buchstaben zu einem Logo.
So wurden die Buchstaben C (für Christen) und J (für Juden) kunstvoll miteinander zu einer Schleife verbunden.  Warum drei Linien verwendet werden, entzieht sich meiner Fantasie. Sind es die verschiedenen Wege zueinander?
http://www.deutscher-koordinierungsrat.de/de/index.php

Der "evangelisch-lutherische Zentralverein für Begegnung von Christen und Juden" verwendet ebenfalls stilisierte Buchstaben. C und J sind aber um einen Mittelpunkt geordnet. Was der gemeinsame Mittelpunkt ist, ist die Aufgabe des Gesprächs. Es bleibt offen, ob es der EINE G'tt ist, oder die Heilige Schrift oder "nur" das Gespräch in der Begegnung.
Hinter diesem Logo verbergen sich lange Wege, die Christen im Laufe der letzten Jahrzehnte zurückgelegt haben: Eine Abkehr von der traditionellen Judenmission hin zu einem beiderseitigen offenen Zeugnis des eigenen Glaubens und Lebens.
Meines Erachtens können einem solchen Symbol beide Seiten etwas abgewinnen.


http://www.nesammim.de/

Nes Ammim ist eine Siedlung in Nordisrael, die von Christen gegründet wurde, um ein neues Miteinander zu erproben. Gleichzeitig wollen Christen beim Aufbau des Landes mithelfen. Die Ähre ist ein alt - israelitisches Zeichen des Volkes Israel und bedeutet Wachstum und Leben. Die Christen von Nes Ammim leisten hier ihren Beitrag. Der Fisch ist ein frühchristliches Symbol für Jesus Christus.
Beide Zeichen sind in geschickter Weise ineinander verwoben. Die asymetrische Kreuzesform ist auf den Kopf gestellt. Das Kreuz ist kein Schwert mehr und verbreitet keinen Schrecken.
In einzigartiger Weise wird symbolisiert, dass das Christentum aus dem jüdischen Volk herausgewachsen ist, immer noch Teil (nach dem eigenen Selbstverständnis) ist, dann aber durch geschichtliche Wachstumsprozesse weit darüber hinausgewachsen ist.
Seine Grenze erfährt die Symboldeutung darin, dass Fisch und Ähre doch zweierlei sind und eben nicht zusammengehören... Auf der Homepage des deutschen Vereines wird nur der Fisch als Logo benutzt.


http://www.lomdim.de/
Das Logo des "Evangelischen Arbeitskreises Kirche und Israel in Hessen und Nassau" zeigt als Grundform einen Becher oder einen Kelch, dem Zeichen des Bundes.
In der jüdischen Tradition erinnert der Becher an den Kiddusch-Becher bei der Sabbatfeier. Die linke Seite des Bechers stilisiert deswegen die Hälfte der neunarmigen Menora. Der Becher spielt auch bei der Pessachfeier eine hervorgehobene Rolle.
In der christlichen Tradition verweist der Becher auf den Kelch, den Jesus bei der Pessachfeier in besonderer Weise auf sein Leben gedeutet hat. Das Neue zeigt sich in dem Fisch - Symbol der ersten Christenheit, die die Botschaft von Jesus aufgreift. Das griechische Wort ICHTYS (=Fisch) wird mit seinen Buchstaben zum Erkennungszeichen=  JESUS CHRISTUS GOTTES SOHN RETTER.
Ein gelungene, aussagekräftige Kombination - aus christlicher Sicht!


http://www.cjcr.cam.ac.uk/
Das Logo des "Centre for the study of Jewish-Christian Relations" in England vereinigt ganz verschiedene Elemente der christlichen und jüdischen Tradition und wirkt reichlich konstruiert. Im Vordergrund leuchtet ein Kerzenlicht. Rechts und links vom Licht sprießen - in der äußeren Form des Lichtes - sechs Olivenblätter aus dem Dreieck, das wohl auf die Dreieinigkeit Gottes hinweisen soll. Spielerisch wird so die Menora angedeutet. Überlagert wird das mittlere, zentrale Licht von einem Kelch, dem Zeichen des Neuen Bundes. Das ganze wird eingeschlossen in eine Tafel, wie sie bei den Gebotstafeln üblich ist, und die auf den Einen Bund Gottes mit Israel und den Christen hinweist. Der eine Bund in seinen verschiedenen Ausprägungen wird sehr augenfällig.

http://www.batkol.info/

Das "Bat Kol Institute" hat seinen Sitz in Jerusalem. Der Name verweist auf Bezüge des Alten und Neuen Testaments. "Bat Kol" meint die "Tochter der Stimme", ein umschreibender Ausdruck für die Stimme Gottes. Im Talmud heißt es: "Ich hörte eine göttliche Stimme, gurrend wie eine Taube. Sie sprach: Ein Wehe über die Kinder, wenn ich die Menge ihrer Schuld ansehe!" 
Andrerseits erinnert die Taube an die Taufe Jesu, wo sich die Taube des Heiligen Geistes zeigte und die göttliche Stimme sagte: Dies ist mein lieber Sohn, auf den ihr hören sollt.

Das Logo nimmt eine Skulptur auf und zeigt eine aufrecht sitzende Frau mit angewinkelten Füßen, auf deren Händen eine Taube sitzt. Die Hände hat sie auf die Knie gelegt. Das stilisierte Gesicht der Frau blickt auf die nach vorn blickende Taube.
Nach den Aussagen auf der Webseite dieser Organisation ist das Logo mehrdeutig.
Auf der einen Seite hören wir auf die Stimme Gottes, gerade auch in der jüdischen Tradition:
Auf der anderen Seite werden wir selber zur Stimme Gottes in der Welt.

 
http://www.zedakah.de/
Das Logo des "Zedakah - Liebeswerkes" kombiniert das Wort Zedakah (= Gerechtigkeit, Wohltat, Liebeswerk) mit dem jüdischen Symbol der 7armigen Menora. Man könnte das Logo dahingehend verstehen, dass die Wurzel des Leuchter-Baumes die Gerechtigkeit ist.
Oder eben, dass aus der Gerechtigkeit der Glaube wächst. Beides ist gut biblisch, sowohl in der hebräischen Bibel als auch im Neuen Testament verankert. Das Logo könnte selbst von Juden gebraucht werden.
Der Zedakah - Verein hilft in Israel Holokost - Geschädigten in Maalot und Shavei Zion / Israel.


http://www.ikj-berlin.de/
Das filigrane Geflecht des Logos, das das "Institut Kirche und Judentum" in Berlin verwendet, besteht aus einer 7armigen Menora, dem Symbol der Judentums, und einem angehängten Kreuz, das mit der Menora gemeinsame Begrenzung hat. Die beiden Zeichen sind so gestaltet, dass sie füreinander durchlässig sind. Man muss schon sehr genau hinschauen, um eines gegen das andere abgrenzen zu können.
In dieser Verwobenheit liegt die Stärke des Logos des "Instituts für Kirche und Judentum".
Die Frage ist, ob das Kreuz als Symbol für das christliche Selbstbewusstsein im Gespräch mit Juden überhaupt notwendig ist. Es gibt durchaus christliche Konfessionen wie die tschechischen evangelischen Kirche, die sehr gut ohne das Zeichen des Kreuzes (aufgrund der negativen Erfahrungen mit Jesuiten während der Gegenreformation) leben können.

Das Logo macht aus der konfessionellen Begrenzung keinen Hehl. "Christlich" heißt im katholischen Selbstbewusstsein eben "katholisch".  Die zwei ineinander geflochtenen Kerzen erinnern an die Hawdala-Kerze, die zum Schabbat - Ausgang angezündet wird. Beide Kerzen geben Licht ab. Juden und Katholiken geben gleichberechtigt das Licht der Erkenntnis weiter.
So augenfällig das Symbol auch ist - bedeutet das für beide Seiten, dass sie sich verbiegen müssen, um einander zu begegnen? Vermutlich würden Juden eher eine gerade aufrechte Kerze bevorzugen, die sich nicht der christlichen anpassen müsste.
www.centerforcatholicjewishstudies.org/


www.denkendorfer-kreis.de/
Das Logo des "Denkendorfer Kreises" stellt die Heilige Schrift / Schriften in den Vordergrund.
Das Logo ist wie im Hebräischen von rechts nach links zu lesen. Die Torarolle wird im Schabbat - Gottesdienst als das Wort Gottes zu Gehör gebracht. Die Heilige Schrift der Christen wird an jedem Sonntag gelesen und ausgelegt. Die Torarolle, das erste Testament, und das Neue Testament gehen ineinander über - aus christlicher Sicht. Sie gehören zusammen. Von der grafischen Gewichtung her ist sogar das erste Testament sogar größer dargestellt, weil die Tora auch für Christen Grund - legend ist.
Der Hintergrund für die Wahl dieses Symbols sind die Toralernwochen, die in Israel, in Denkendorf und in christlichen Gemeinden stattfinden. Jüdische Lehrer lesen mit christlichen Teilnehmern ausgewählte Abschnitte aus dem Ersten Testament.

In der evangelischen Württembergischen Landeskirche gibt es die Arbeitsgemeinschaft "Wege zum Verständnis des Judentums". Das bisherige Logo zeigte zwei Quadrate, deren Pfeile nach innen wiesen.
Das neue  Logo (aus dem Jahr 2004) nimmt den dynamischen Wachstums - Aspekt von Römer 11 auf. Der knorrige, massige Ölbaum ist trotz aller Krisen fest verwurzelt, dank der Güte und Barmherzigkeit Gottes, der sein Volk Israel nicht im Stich gelassen hat. Gleichzeitig ist der Stamm wie eine Blumenzwiebel, die Neues keimen lässt. Immerhin gibt es schon eine Olive als sichtbare Frucht.
Die Botschaft ist klar: Die Beziehungen zwischen Juden und Christen wachsen. Auffällig ist, dass das Logo einen Text zur Erläuterung bietet: Wir sind im Gespräch. Das belastete Wort "Dialog" wird vermieden.
Leider ist das Motiv nur Insidern verständlich. Ohne die Umschrift könnte man genau so an eine Gärtnerei denken, die Werbung für Blumenzwiebeln macht.
http://www.kloster-denkendorf.de/bereich_v_christen_und_juden.htm


www.studium-in-israel.de/

Das Studienprogramm von "Studium in Israel" verwendet zwei Logos. Das Logo rechts zeigt ein Blatt oder ein Buch mit dem hebräischen Wort "Schalav". Zum einen stellt Schalav die Abkürzung des hebräischen "Schnat Limudim beJisrael" dar, was übersetzt "Ein Studienjahr in Israel" heißt. Zum anderen bedeutet das hebräische Wort "Schalav" im Deutschen "Sprosse, Stufe". Das Logo wäre also eine Leiter mit drei Sprossen.
Das linke Logo wird auch verwendet. Es zeigt ein Licht, das auf einem aufwärts führenden Berg (oder Hausdach?) leuchtet. Das Studieren der jüdischen Tradition bringt weiter, bringt Licht.

Zum besseren Verstehen der Logos noch zwei Beispiele aus dem Umfeld der christlich - messianischen Gemeinden. Sie sind nicht an einem Dialog interessiert, sondern  daran, dass sich Juden zum Glauben an Jesus Christus bekehren.
Der Evangeliumsdienst für Israel verwendet in seinem Logo den Typ der Fahne Israels, die ja die Farben und Gestalt eines Gebetsmantels aufgreift. In der Mitte der Fahne steht der Davidsstern.
Der EDI verändert die Gestalt, indem der untere Balken sehr dick wird. Der Davidsstern prangt als i - Tüpfelchen auf dem i.
Das Logo ist sehr geschickt gewählt, um nicht gleich mit einem christlichen Symbol zu verprellen. Auf den ersten Blick gibt es positive Assoziationen mit Israel. Erst wenn man sich näher mit dem EDI beschäftigt, wird die Intention deutlich: Gesandt zu Israel, steht auf der Webseite als Erläuterung neben dem Logo.

 

http://www.eappi.org/

Der Ökumenische Rat der Kirchen hat ein Programm "Dekade zur Überwindung der Gewalt" aufgelegt. Das "Ecumenical Accompaniment Programme in Palestine and Israel" (EAPPI) verwendet verwendet als Logo eine Kombination von drei Teilen: das Kreuz, das eindeutig im Vordergrund steht und keine Zweifel an der Herkunft des Programmes lässt, die Umrisse einer Friedenstaube, die ihre Flügel erhebt, und einem Stacheldraht, der geschickt mit der Andeutung eines judäischen /samaritanischen Hügels kombiniert ist. Das Logo, das eine optische Einheit mit der Schrift bildet, bringt eine einheimische Botschaft rüber: Wir haben ein Anliegen, das wir in eurem Land bringen wollen. Das Kreuz, die christliche Botschaft, bringt Versöhnung, Verständigung, Frieden, Solidarität.

 
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Das Logo von ZeLeM, Verein zur Förderung des Messianischen Glaubens in Israel e.V. von Klaus Pülz ist typisch für die Fragestellung: Wenn man das Kreuz mit dem Davidsstern kombinieren möchte, wie sollen dann die Zuordnungen und Größenverhältnisse aussehen?
Bei Zelem ist das sehr große, gewichtige Kreuz die Grundlage. Die drei hebräischen Buchstaben geben die Intention wieder: Zelem heißt eigentlich "Ebenbild" (Gott schuf den Menschen zu seinem Ebenbild). Das wahre Ebenbild Gottes zeigt sich in dem gekreuzigten Sohn Gottes Jesus Christus.
Der Davidsstern ist in filigraner Weise auf das Kreuz eingepasst. Es hat gewollt die Gestalt eines Menschen, der am Kreuz hängt.
Auffällig ist die Eindeutigkeit des Logos. Jeder Christ oder Jude, der das Logo sieht, weiß woran er ist (im Gegensatz zum Logo des EDI).

 
Stand 22.07.2005

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