In der
Engelausstellung befanden sich verschiedene Bilder, die einen Engel vor
einem Tor zeigen. Besonders schön ist die obige Abbildung.
Unten sind
Wolken angedeutet, auf denen der Engel schwebt. In den Wolken öffnet sich
ein großes Tor oder besser: ein Torbogen.
Deswegen man könnte diesen Engel umschreiben als „Engel, der an der Schwelle
der Ewigkeit steht."
Es ist ein Gegenbild zu dem Engel im Garten Eden aus dem 1. Mosebuch.
Dort wird beschrieben, dass aufgrund ihres Fehlverhaltens die Ureltern Adam
und Eva aus dem Garten Eden vertrieben wurden. Damit sie nicht zurück in den
Garten können, stellte sich ein Engel mit einem feurigen Schwert vor den
Eingang.
Von der Symbolik her gesprochen, haben wir Menschen nur noch eine Ahnung,
eine Sehnsucht in uns nach dem Paradies. Einen direkten Zugang gibt es
nicht.
Und nun passiert in unseren Tagen wieder etwas Faszinierendes. Man
entdeckt aufgrund der Sterbeforschung, dass im Sterben Menschen beglückende
Erlebnisse machen. Der Name von Elisabeth Kübler – Ross steht hier
stellvertretend für viele andere. In diesen Tagen läuft sogar Film über ihr
Leben in den Kinos.
Manche Beschreibungen von Menschen, die an der Schwelle des Todes standen,
gehen dahin, dass sie sehen, fühlen, spüren, dass sie auf der anderen Seite
willkommen sind.
Viele spüren, dass Sterben als solches normalerweise nicht so erschreckend
ist, wie sie es sich gemeinhin vorgestellt haben. Dass dort auch Lichtwesen
einen erwarten, freundlich empfangen.
Es ist unter Theologen umstritten, wie solche Nahtod- Erfahrungen zu
bewerten sind.
- Die einen sagen zurecht: die Menschen, die davon berichten, sind noch
nicht tot, sind noch nicht in der Ewigkeit. Sie können ja noch nichts von
dem Gericht Gottes erzählen, das allen Menschen bevor steht.
- Andere sind sehr optimistisch und deuten an, dass doch alles nicht so
schlimm ist, wie es in der christlichen Tradition beschrieben wird.
Was hat sich wohl die junge Malerin gedacht, als sie dieses Bild gemalt
hat?
Wir sehen einen schönen Torbogen. Der Torbogen ist mit Blumengebinden
geschmückt.
Rote Rosen erwarten den, der am Tor der Ewigkeit ankommt.
Die Kapitelle der Torbogens sind rechts und links mit Buchstaben geziert.
Es sind die bekannten griechischen Buchstaben aus dem Neuen Testament, der
erste Buchstabe des griechischen Alphabets, das große Alpha und der letzte
Buchstabe des griechischen Alphabets, das große Omega.
In der Offenbarung des Johannes heißt es drei Mal:
- Kapitel 1:8 Ich bin das A und das O, spricht Gott der Herr, der da ist und
der da war und der da kommt, der Allmächtige.
- Kapitel 21:6-7 Und er sprach zu mir: Es ist geschehen. Ich bin das A und
das O, der Anfang und das Ende. Ich will dem Durstigen geben von der Quelle
des lebendigen Wassers umsonst.
Wer überwindet, der wird es alles ererben, und ich werde sein Gott sein, und
er wird mein Sohn sein.
- Kapitel 22:13-14 Ich bin das A und das O, der Erste und der Letzte, der
Anfang und das Ende. Selig sind, die ihre Kleider waschen, daß sie teilhaben
an dem Baum des Lebens und zu den Toren hineingehen in die Stadt.
Die Malerin sieht also diesen letzten Weg unter dieser Verheißung Gottes,
der das Leben und Sterben in seinen Händen hält.
Der Engel trägt ein strahlendes Sonnengewand.
Die Strahlen hinter dem Rücken gehen fast von dem Lichtwesen aus.
Nicht die Abendsonne scheint, die das zu Ende gehende Leben andeutet.
Sondern die Morgensonne scheint, die den Anfang und den Beginn einer neuen
Zeit andeutet.
Die goldfarbenen Flügel unterstreichen das Leuchten.
Der Engel hat blonde, lange Haare, wie kann es anders sein? Und auf seiner
Stirn trägt er ein Stirnband mit einem roten Stern. Auch ein Heiligenschein
umgibt den Kopf.
In den Händen trägt der „Engel, der an der Schwelle der Ewigkeit steht", ein
Licht, eine Kerze.
Die Kerze steht in großem Kontrast zu dem Leuchten der Lichtgestalt.
Vielleicht kann man die Kerze so verstehen: Die Kerze steht auf der Seite
unserer Zeit, unserer Welt.
Sie ist ein kleiner Hinweis auf das Große, auf das Unbekannte.
Für die Verstorbenen wird gerne in den Kirchen oder auf dem Friedhof eine
Kerze angezündet. Ein kleines Licht, ein unscheinbares Licht.
Aber auch ein kleines Licht kann auf das Große hinweisen. Es beleuchtet
die Buchstaben, die auf der für uns sichtbaren Seite des Tores zu lesen
sind.
Gott spricht durch unseren Herrn Jesus Christus: Ich bin der Anfang und das
Ende.
Dein ganzes Leben in dieser Zeit und in der Ewigkeit liegt in meinen Händen.
Du, an der Schwelle zur Ewigkeit, du bist willkommen!