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Du selige Weihnachtszeit
"Es waren aber Kunden in derselben Stadt in der Fußgängerzone unterwegs, und
sie achteten sehr auf ihre Einkaufstüten. Und der kostümierte Weihnachtsmann
trat zu ihnen, und viele glitzernde Reklamen umleuchteten ihn, und sie
fürchteten schon um ihre Geldbeutel und Plastikkärtchen. Und der Rauschebart
sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht. Hört mal, ich verkündige euch große
Freude, die allen Verbrauchern widerfahren wird, denn heute trat in dieser
Einkaufszone eine neue Rabattregelung in Kraft. Und das nehmet zum Zeichen:
Ihr werdet in den Kaufhäusern einen Haufen preiswerter Waren auf allen
Etagen finden.
Und plötzlich waren bei der weihnachtlichen Verkaufskanone Delegationen von
Einzelhändlern aus allen Städten des Landes und sprachen..."
Ernst Elitz, Du selige Weihnachtszeit, in Sonntag aktuell 14.12.2003 Seite 3
Kafkaeske Bewerbung
Ein Betrieb brauchte einen neuen Mitarbeiter. Das
Bewerbungsgremium wandte
viel Zeit und Mühe darauf, um sich selber klar zu werden, wie der
neue Mitarbeiter aussehen soll, der zu ihnen passt. Nächtelang formulierten sie
an einem Anforderungskatalog herum.
Schließlich umgaben sie ihren Ort mit einer Mauer, die keine Tore hatte. Auf
der Mauer aber zeichneten sie die Umrisse auf, in die der Bewerber
hineinpassen sollte.
Ein qualifizierter Bewerber kam, der schon viel geleistet hatte. Das
Bewerbungsgremium stellte sich vor die Mauer und empfing den Bewerber. Sie
waren gut vorbereitet. Sogar spezielle Kurse hatten sie vorher belegt.
Der
Bewerber musste sich aufstellen. Dann wurde er
begutachtet.
Jeder zupfte und zerrte. Jeder flüsterte und schrie. Jeder
streichelte und schlug. Jede der Reaktionen des Bewerber wurde
aufgezeichnet, so dass sich letztendlich ein Bewerberprofil ergab. Dann
wurde der Bewerber auf die Zeichnung geheftet.
Aber, o weia. Der Bewerber passte nicht in die Zeichnung auf der Mauer.
Schließlich zog einer noch eine Körperfettwaage hervor, die er irgendwo
billig erstanden hatte. Der Bewerber wurde gewogen - und zu leicht befunden.
Er wurde weggeschickt. Nein! Dieser nicht! Die Mitglieder des
Bewerbungsgremium schüttelten bedächtig den Kopf.
Mene
mene tekel upharsin! (Gewogen und zu leicht befunden, Profet Daniel) Sie haben es sich mit ihrem Urteil nicht leicht gemacht.
Der Bewerber besprach mit einem Berater die Situation.
Beide kamen zu dem Schluss, dass er gleichwohl in die Zeichnung auf der
Mauer gepasst hätte, - nämlich auf allen vieren, nach einer kräftigen
Mahlzeit.
Günther Kempka, 2003 
Das Gleichnis von den 10 Marathonläufern
Wie geht es zu, wenn Menschen vor dem himmlischen Richter
bestehen wollen?
Es ist wie mit jenen 10 Marathonläufern, die 100 km durch die Wüste laufen
wollten. Alle wollten sie das Ziel erreichen und den großen Preis in Empfang
nehmen.
Fünf nahmen größere Wasservorräte mit.
Die anderen Fünf sagten sich: Unterwegs wird es etwas geben. Das reicht mir.
Ohne das Wasser laufe ich leichter und bin schneller am Ziel.
Aber die Strecke zog sich hin. Die Sonne brannte unbarmherzig.
Diejenigen mit den Wasservorräten waren am Anfang etwas langsamer. Aber sie
konnten immer wieder auftanken. Sie erreichten das Ziel. Sie konnten eine
Belohnung bekommen.
Die anderen blieben auf der Strecke. Sie mussten aufgeben. Sie erwartete
Schande über ihren Misserfolg.
Darum lernt daraus:
Bereitet euch richtig auf das ewige Ziel vor, dann werdet ihr auch eure
Belohnung empfangen.
Günther Kempka, 2003, nach dem Gleichnis von den 10 Jungfrauen Matthäus
25,1-13

Reichtum auf Kosten der Armen
Ein Reicher aus OPEC hatte 100.000 Aktien. Die Aktien gehörten zu einem
Unternehmen, das den wertvollen Rohstoff Matrixit förderte, der für die
Chipherstellung gebraucht wurde. Dieser Rohstoff kam nur an wenigen
Stellen in der Welt vor, weswegen die Kurse für diesen Rohstoff
ansehnliche Höhen erlangten.
Ein Angestellter des öffentlichen Dienstes aus Indonesien hatte sich im
Laufe der Jahre 100 Aktien von jenem Unternehmen erworben. Die Erbschaft
seiner Eltern steckte er darein und was er sonst zurücklegen konnte. Er
sagte sich: In Zukunft wird man immer noch PC’s brauchen. Die Aktien
laufen gut. Ich kann sie für meine Altersversorgung gut brauchen. Ich will
meinen Kindern nicht auf der Tasche liegen.
Seine Kinder lobten ihn für diese Einstellung.
Dem Reichen aus OPEC waren seine Anteile nicht genug. Er wollte alle
Anteile von Matrixit haben. Also streute er Gerüchte in die Welt, dass
neue Orte gefunden wurden, wo reichlich Matrixit vorhanden wäre. Daraufhin
fielen die Aktien ins Bodenlose.
Der Angestellte aus Indonesien verzweifelte über den Kursverfall. Seine
Bank riet ihm, die Anteile schnellstmöglich zu verkaufen, auch wenn er nun
mehr als die Hälfte Verlust machen würde. Er verkaufte, was sollte er
machen. Seine Familie weinte über zerstörte Hoffnungen.
Der Reiche aus OPEC kaufte alle Anteile, die nun billig zu haben waren. Es
stellte sich heraus, dass die neuen Förderstätten für Matrixit nur
Gerüchte waren. Der Preis schnellte in die Höhe. Der Reiche freute sich,
dass sein sorgenfreies Leben gesichert war. Er konnte noch viele
rauschende Feste feiern.
(Matrixit ist ein Kunstwort von mir zur Vereinfachung der Zusammenhänge.)
Biblische Bezüge: 2. Samuel 12
Und der Herr sandte Nathan zu David. Als der zu ihm kam, sprach er zu ihm:
Es waren zwei Männer in einer Stadt, der eine reich, der andere arm. Der
Reiche hatte sehr viele Schafe und Rinder; aber der Arme hatte nichts als
ein einziges kleines Schäflein, das er gekauft hatte. Und er nährte es, dass
es groß wurde bei ihm zugleich mit seinen Kindern. Es aß von seinem Bissen
und trank aus seinem Becher und schlief in seinem Schoß; und er hielt’s wie
eine Tochter. Als aber zu dem reichen Mann ein Gast kam, brachte er’s nicht
über sich, von seinen Schafen und Rindern zu nehmen, um dem Gast etwas
zuzurichten, der zu ihm gekommen war, sondern er nahm das Schaf des armen
Mannes und richtete es dem Mann zu, der zu ihm gekommen war.
Günther Kempka, 2000

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