Es ist keine Frage, dass Jesus auch heute noch viele Menschen mit
seiner Verkündigung anspricht. Wir fragen: Was ist denn Glauben? Worin
besteht die Beziehung zu Gott? Was ändert sich in meinem Leben, wenn ich an
Gott glaube?
Jesus antwortet:
Stellt euch vor, ihr werdet zu einer Hochzeit eingeladen. Nicht zu
irgendeiner in eurer Verwandtschaft von Vetter oder Nichten, sondern nach
Berlin. Der Sohn des Bundespräsidenten feiert seine Hochzeit und hat außer
den üblichen Gästen 100 Personen aus dem Volk eingeladen. Und du kannst
dabei sein!
Dir wird nicht irgendein schöner Brief mit großen Versprechungen ins Haus
geschickt. Sondern ein großer Mercedes mit dunkel getönten Scheiben fährt
vor. Heraus kommt ein dunkel gekleideter Bote mit weißen Handschuhen. Er
händigt die schriftliche Einladung persönlich aus. Er fügt hinzu: Morgen
Vormittag werden Sie am Haus abgeholt. Dann geht’s in den Flieger. Für
Übernachtung ist gesorgt. Der Bundespräsident würde sich freuen, wenn Sie
ihm die Ehre geben, bei dem Fest dabei zu sein.
Die eingeladenen Gäste reagierten merkwürdig. Da sagt der eine, tut
mir leid, ich habe keine Vertretung im Geschäft gefunden. Ich muss selber
ran.
Da sagt der andere, tut mir leid. Guck dir das Wetter an. Es ist gerade Zeit
zum Säen. Bei aller Liebe. Ich muss raus auf den Acker. Ich kann nicht
feiern.
Da sagt ein dritter: Was soll ich dort in Berlin. Ich kenne den
Bundespräsidenten nur aus dem Fernsehen. Ich kann ihn nicht leiden. Falsche
Partei.
Da sagt ein vierter: Ich kann mich in so feiner Gesellschaft nicht benehmen.
Ich bin ein einfacher Mensch.
Ein fünfter knallt bei der Einladung die Tür zu.
Ein sechster holt aus dem Wohnzimmer einen Schürhaken und will den Boten
verprügeln. Er hatte vorher in der Zeitung gelesen, dass wieder Betrüger
unterwegs sind, die einem das Blaue vom Himmel versprechen.
Ein anderer will die Polizei rufen.
Wieder ein anderer schüttelt sich aus vor Lachen über diese Idee, er dachte,
man dreht eine neue Folge von "Verstehen sie Spaß?"
Und so geht es weiter. Man könnte einen Roman darüber schreiben.
Die Boten müssen unverrichteter Dinge von ihrer Einladungstour zurück
kehren. Sie sind echt deprimiert. Wie sollen sie vor ihren Chef treten? Wie
sollen sie erklären, was die Leute über ihn denken? Ist es nicht im Grunde
unbegreiflich, dass man so eine einmalige Einladung in den Wind schlägt?
Die Boten haben mit ihrer Vermutung recht. Der Bundespräsident ist so
zornig, wie sie ihn noch nie erlebt hatten.
In seinem Zorn nimmt er den Globus, der im Wohnzimmer stand, hebt ihn hoch
und wirft ihn mit Wucht auf den Boden. "Die sollen mir gestohlen bleiben!",
schreit er. Doch der Zorn ist schnell verraucht.
Das Festessen ist bestellt, ist seine Überlegung. Das Fest findet in jedem
Fall statt. Aber wie sieht es aus, wenn der Saal im Hotel Adlon halb leer
ist? Wie sieht es aus, wenn das Büfett überquillt und das meiste stehen
bleibt? Sollen das die Schweine fressen?
Der Bundespräsident holt seine Boten wieder her und instruiert sie.
Wir haben keine Zeit zu verlieren. Es ist schlimm genug, dass meine
Einladung von so vielen ausgeschlagen wurde. Geht einfach raus, auf die
Straßen von Berlin. Nach Kreuzberg, ans Brandenburger Tor, an die Brunnen,
vor die Kirchen, an die Treppen. Bringt her, wen ihr finden könnt, der
bereit ist, mitzukommen, mit zu feiern. Fragt nicht lang, erklärt nicht
groß. Die Chance ist einmalig.
Und sie kommen.
Neugierige Touristen, die kein Programm hatten.
Stadtstreicher, denen das Bier ausgegangen ist.
Prostituierte, die die Nase von ihrem Job voll haben.
Kinder, die gerade schulfrei haben.
Türken, die wissen, dass man Einladungen zum Fest nicht ausschlagen darf.
Rentner, die sich der Parkbank einsam fühlen.
Arbeitslose, denen zuhause die Decke auf den Kopf fällt.
Hundebesitzer, denen es nichts ausmacht, eine größere Runde zu drehen.
Ein buntes Völkchen, lachend, schwatzend, neugierig gespannt, offen für ein
Fest.
Menschen, denen die Zeit nicht heilig ist. Die wissen, dass Zeit eine
Erfindung der Menschen ist.
Natürlich sind sie etwas befangen, als sie die geschmückten Räume und
überquellenden Tische sehen. Aber was soll’s. Die Einladung gilt!
Nach dem Aperitif erscheint der Bundespräsident an der Seite seiner
Gattin. Er geht schnurstracks auf seine Gäste zu, ohne Berührungsängste.
Freundlich schüttelt er die vielen Hände. Freundlichkeit und Jubel schlägt
ihm entgegen.
Bis auf einen, der über die Stränge schlägt. War er schon vorher
angetrunken? Hat er jetzt noch mehr gebechert? Nicht nur seine Fahne ist
widerlich. Sein Gegröle und seine Wortwahl ist unter aller Sau. Als er den
Bundespräsidenten auch noch anpöbelt, ist das Maß voll. Ein kurzes Nicken zu
seinen Leibwächtern, und diese unwürdige Person wurde aus dem Saal
geschleppt. Soll sie doch sehen, wo sie bleibt!
Das Fest aber nimmt einen fröhlichen Verlauf, weil alle spüren: Sie
sind von Herzen willkommen.