Moderne Gleichnisse 3

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Keiner kam zu kurz
Aus der neu geordneten Kirchengemeinden kamen Sprecherinnen und Sprecher zu Jesus und klagten:
Die vorhandenen hauptberuflichen Kräfte reichen nicht aus und die Gemeinden drohen auszuhungern. Wer feiert mit uns Gottesdienst, wer besucht die Kranken, wer verkündet das Evangelium und wer gibt Trost den Niedergeschlagenen?
Da sagte Jesus: Seht nach, welche Begabungen bei euch selber vorhanden sind, lauft nicht einfach auseinander, trefft euch in überschaubaren Gruppen, hört auf eure eigenen Berufung, werdet füreinander zu Wegbegleiterinnen und Wegbegleitern.
Die Menschen taten, was Jesus sagte: Da gab es Frauen und Männer, die konnten gut in Worte fassen, was andere im Gebet zum Ausdruck bringen wollten, anderen gelang es, mit dem, wie sie sich Gemeinde vorstellten, sogar solche zu motivieren, die von der Kirche schon lange nichts mehr erwartet haben; wieder andere wirkten wohltuend, weil sie mit großer Einfühlsamkeit zuhören konnten. Manche brachten ihr Organisationstalent ins Spiel, andere ihre Fähigkeit, eine Konferenz zu leiten und wieder andere konnten in einfachen Worten ihr eigenes Leben und die Botschaft Jesu miteinander in Verbindung bringen.
Wo in einzelnen Gruppen besondere Stärken vorhanden waren, die anderen fehlte, war geschwisterliches Teilen eine Selbstverständlichkeit.
Die vorhandenen hauptberuflichen Kräfte waren damit keineswegs überflüssig. Sie halfen den vielen Menschen, die bereit waren, Gemeinde mitzutragen, ihre Fähigkeiten zu entdecken und weiter zu entwickeln; sie erinnerten immer wieder an den Sinn und die Mitte aller Zusammenkünfte und waren darum besorgt, dass kleinkariertes Denken die Kommunikation zwischen den Gruppen nicht dauerhaft störte.
Die Leute staunten, dass die Gemeinden statt auszuhungern sogar in der Lage waren, an Ausstrahlung und Glaubwürdigkeit zu gewinnen.

Abgeänderte Paraphrase zu Markus 6,35-44, nach "Arbeitshilfen zur pastoralen Standortbestimmung in den Gemeinden und Seelsorgeeinheiten in der Diözese Rottenburg-Stuttgart"

Matthäus 22,1-14 Das Gleichnis vom großen Festmahl

Es ist keine Frage, dass Jesus auch heute noch viele Menschen mit seiner Verkündigung anspricht. Wir fragen: Was ist denn Glauben? Worin besteht die Beziehung zu Gott? Was ändert sich in meinem Leben, wenn ich an Gott glaube?

Jesus antwortet:
Stellt euch vor, ihr werdet zu einer Hochzeit eingeladen. Nicht zu irgendeiner in eurer Verwandtschaft von Vetter oder Nichten, sondern nach Berlin. Der Sohn des Bundespräsidenten feiert seine Hochzeit und hat außer den üblichen Gästen 100 Personen aus dem Volk eingeladen. Und du kannst dabei sein!
Dir wird nicht irgendein schöner Brief mit großen Versprechungen ins Haus geschickt. Sondern ein großer Mercedes mit dunkel getönten Scheiben fährt vor. Heraus kommt ein dunkel gekleideter Bote mit weißen Handschuhen. Er händigt die schriftliche Einladung persönlich aus. Er fügt hinzu: Morgen Vormittag werden Sie am Haus abgeholt. Dann geht’s in den Flieger. Für Übernachtung ist gesorgt. Der Bundespräsident würde sich freuen, wenn Sie ihm die Ehre geben, bei dem Fest dabei zu sein.

Die eingeladenen Gäste reagierten merkwürdig. Da sagt der eine, tut mir leid, ich habe keine Vertretung im Geschäft gefunden. Ich muss selber ran.
Da sagt der andere, tut mir leid. Guck dir das Wetter an. Es ist gerade Zeit zum Säen. Bei aller Liebe. Ich muss raus auf den Acker. Ich kann nicht feiern.
Da sagt ein dritter: Was soll ich dort in Berlin. Ich kenne den Bundespräsidenten nur aus dem Fernsehen. Ich kann ihn nicht leiden. Falsche Partei.
Da sagt ein vierter: Ich kann mich in so feiner Gesellschaft nicht benehmen. Ich bin ein einfacher Mensch.
Ein fünfter knallt bei der Einladung die Tür zu.
Ein sechster holt aus dem Wohnzimmer einen Schürhaken und will den Boten verprügeln. Er hatte vorher in der Zeitung gelesen, dass wieder Betrüger unterwegs sind, die einem das Blaue vom Himmel versprechen.
Ein anderer will die Polizei rufen.
Wieder ein anderer schüttelt sich aus vor Lachen über diese Idee, er dachte, man dreht eine neue Folge von "Verstehen sie Spaß?"
Und so geht es weiter. Man könnte einen Roman darüber schreiben.

Die Boten müssen unverrichteter Dinge von ihrer Einladungstour zurück kehren. Sie sind echt deprimiert. Wie sollen sie vor ihren Chef treten? Wie sollen sie erklären, was die Leute über ihn denken? Ist es nicht im Grunde unbegreiflich, dass man so eine einmalige Einladung in den Wind schlägt?
Die Boten haben mit ihrer Vermutung recht. Der Bundespräsident ist so zornig, wie sie ihn noch nie erlebt hatten.
In seinem Zorn nimmt er den Globus, der im Wohnzimmer stand, hebt ihn hoch und wirft ihn mit Wucht auf den Boden. "Die sollen mir gestohlen bleiben!", schreit er. Doch der Zorn ist schnell verraucht.
Das Festessen ist bestellt, ist seine Überlegung. Das Fest findet in jedem Fall statt. Aber wie sieht es aus, wenn der Saal im Hotel Adlon halb leer ist? Wie sieht es aus, wenn das Büfett überquillt und das meiste stehen bleibt? Sollen das die Schweine fressen?

Der Bundespräsident holt seine Boten wieder her und instruiert sie. Wir haben keine Zeit zu verlieren. Es ist schlimm genug, dass meine Einladung von so vielen ausgeschlagen wurde. Geht einfach raus, auf die Straßen von Berlin. Nach Kreuzberg, ans Brandenburger Tor, an die Brunnen, vor die Kirchen, an die Treppen. Bringt her, wen ihr finden könnt, der bereit ist, mitzukommen, mit zu feiern. Fragt nicht lang, erklärt nicht groß. Die Chance ist einmalig.

Und sie kommen.
Neugierige Touristen, die kein Programm hatten.
Stadtstreicher, denen das Bier ausgegangen ist.
Prostituierte, die die Nase von ihrem Job voll haben.
Kinder, die gerade schulfrei haben.
Türken, die wissen, dass man Einladungen zum Fest nicht ausschlagen darf.
Rentner, die sich der Parkbank einsam fühlen.
Arbeitslose, denen zuhause die Decke auf den Kopf fällt.
Hundebesitzer, denen es nichts ausmacht, eine größere Runde zu drehen.
Ein buntes Völkchen, lachend, schwatzend, neugierig gespannt, offen für ein Fest.
Menschen, denen die Zeit nicht heilig ist. Die wissen, dass Zeit eine Erfindung der Menschen ist.
Natürlich sind sie etwas befangen, als sie die geschmückten Räume und überquellenden Tische sehen. Aber was soll’s. Die Einladung gilt!

Nach dem Aperitif erscheint der Bundespräsident an der Seite seiner Gattin. Er geht schnurstracks auf seine Gäste zu, ohne Berührungsängste. Freundlich schüttelt er die vielen Hände. Freundlichkeit und Jubel schlägt ihm entgegen.

Bis auf einen, der über die Stränge schlägt. War er schon vorher angetrunken? Hat er jetzt noch mehr gebechert? Nicht nur seine Fahne ist widerlich. Sein Gegröle und seine Wortwahl ist unter aller Sau. Als er den Bundespräsidenten auch noch anpöbelt, ist das Maß voll. Ein kurzes Nicken zu seinen Leibwächtern, und diese unwürdige Person wurde aus dem Saal geschleppt. Soll sie doch sehen, wo sie bleibt!

Das Fest aber nimmt einen fröhlichen Verlauf, weil alle spüren: Sie sind von Herzen willkommen.

Ihre Mithilfe ist gefragt!

Kennen Sie weitere, brauchbare Gleichnisse? Könnten Sie mir eines dieser Gleichnisse zukommen lassen, um sie an dieser Stelle zu veröffentlichen? Ich würde mich freuen! gkempka@web.de

Stand 22.07.2005